Unsere Bauhütte
Die heutige Johannisfreimaurerloge „Hermann zur brüderlichen Einigkeit“ wurde am 27. September 1990 gegründet. Sie ist nicht die juristische Nachfolgerin der früheren Mühlhäuser Loge „Hermann zur deutschen Treue“, versteht sich jedoch als Bewahrerin und Fortsetzerin der 1817 begründeten freimaurerischen Tradition in unserer Stadt.
Unsere Bauhütte in der heutigen Puschkinstraße 3 ist selbst Teil dieser Geschichte. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts diente das Haus Freimaurern als Heimstatt, erlebte unterschiedliche Nutzungen und wurde schließlich wieder zu einem Ort freimaurerischer Arbeit und Begegnung.
Mehr als 200 Jahre Freimaurerei in Mühlhausen
Ausgewählte Stationen zeigen den Weg von den Anfängen bis zur heutigen Bauhütte.
- 1817/18
Die Anfänge
1817 entstand in Mühlhausen ein freimaurerischer Zirkel. Ein Jahr später nahm die Loge „Hermann zur deutschen Treue“ ihre Arbeit auf.
- 1855
Eine feste Heimstatt
Die Loge erwarb das sogenannte Hoyersche Stift – das heutige Logenhaus in der Puschkinstraße 3.
- 1933
Ende der Logenarbeit
Unter dem Druck des nationalsozialistischen Regimes löste sich die Loge „Hermann zur deutschen Treue“ selbst auf.
- 1948
Das Haus wird zum Kulturort
Das ehemalige Logenhaus erhielt eine neue Nutzung und entwickelte sich später als „Puschkinhaus“ zu einem bekannten Kulturhaus.
- 1990
Gründung der heutigen Loge
Am 27. September wurde in der Allerheiligenkirche das Licht in die Loge „Hermann zur brüderlichen Einigkeit“ eingebracht – wenige Tage vor der deutschen Wiedervereinigung.
- 2000
Rückkehr in die historische Bauhütte
Nach dem Erwerb des Hauses durch DAS PRIORAT für Kultur und Soziales gemn. e.V. im Jahr 1999 konnte die Loge wieder dauerhaft Räume in ihrer historischen Bauhütte nutzen.
Geschichte einer Mühlhäuser Bauhütte
Die Anfänge
In der Zeit der Aufklärung fanden die Ideen der Freimaurerei auch in Mühlhausen zunehmend Anklang. Mit einem wachsenden Bildungsbürgertum, einer stärkeren Verwaltung und Justiz sowie der Bedeutung Mühlhausens als Militärstandort waren die Voraussetzungen für die Entstehung einer Loge gegeben.
1817 bildete sich zunächst ein freimaurerischer Zirkel, aus dem 1818 die Loge „Hermann zur deutschen Treue“ hervorging. Zu den prägenden Persönlichkeiten der ersten Jahre gehörten Schotte, Direktor des Stadt- und Amtsgerichts, der erste Meister vom Stuhl von Besser, Major im 8. Dragonerregiment, sowie der Schlotheimer Pfarrer Steiger.
Die ersten Mitglieder waren vor allem Offiziere, Beamte, Kaufleute und Fabrikanten. Später gehörten zahlreiche angesehene Mühlhäuser Bürger der Loge an – darunter Beyreiß, Kleeberg, Claes, Aulepp, Jordan, Kloeppel, Wasserfall und Rathgeber. Vertreten waren Lehrer und Rektoren, Ärzte und Apotheker ebenso wie Handwerksmeister, Gutsbesitzer, Landwirte, Ingenieure und Techniker.
1918 beging die Loge ihr 100-jähriges Stiftungsfest. Die damals erschienene Festschrift gehört bis heute zu den wichtigsten Quellen über die ersten hundert Jahre freimaurerischen Lebens in Mühlhausen.
Haus, Unterbrechung und Wandel
1855 erwarb die Loge das sogenannte Hoyersche Stift. Das Anwesen mit Garten und Gesellschaftsräumen wurde zur dauerhaften Heimstatt der Bauhütte und bot neben der freimaurerischen Arbeit Raum für Begegnung und Geselligkeit der Brüder und ihrer Familien.
Die Loge entwickelte sich zu einer angesehenen Institution im gesellschaftlichen Leben Mühlhausens. Mehrfach gehörten auch Oberbürgermeister oder Landräte zu ihren führenden Mitgliedern. Ihr Selbstverständnis reichte dabei über das Leben innerhalb der Loge hinaus.
„Individualismus und Altruismus miteinander zu verbinden, eben sowohl sich um das Glück anderer zu sorgen, als auch um die eigene Vollendung bemüht zu sein.“
Aus der Festschrift von 1918
Dieser Anspruch zeigte sich auch im gesellschaftlichen Engagement. Unterstützt wurden unter anderem die Kinderbewahranstalt in der Jacobistraße, der Knabenhort und die Volksbibliothek. Eine Stiftung kümmerte sich bereits um 1860 um die Bekleidung bedürftiger Konfirmanden.
Unter dem Druck des nationalsozialistischen Regimes musste sich die Loge 1933 selbst auflösen. 1935 ging das Logenhaus an die Stadt über und wurde zunächst als Ausstellungshaus des Museums, später als Stadtbücherei und schließlich als Speicher genutzt.
Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs konnte die freimaurerische Arbeit in Mühlhausen nicht wieder aufgenommen werden. Ab 1948 nutzte zunächst die „Gesellschaft zum Studium der sowjetischen Kultur“, später die „Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft“, das Gebäude. Als „Puschkinhaus“ wurde es mit Tanz- und Sportveranstaltungen, Vorträgen und Filmvorführungen zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens in Mühlhausen.
Neuer Anfang und Rückkehr ins Logenhaus
Mit den politischen Veränderungen von 1989/90 wurde freimaurerische Arbeit in Mühlhausen wieder möglich. Durch persönliche Kontakte entstanden Verbindungen zur Düsseldorfer Loge „Spectemur Agendo“. Ihre Brüder gaben entscheidende Impulse, das freimaurerische Licht nach Mühlhausen zurückzubringen.
Am 27. September 1990 wurde in der Allerheiligenkirche am Untersteinweg feierlich das Licht in die neu gegründete Loge „Hermann zur brüderlichen Einigkeit“ eingebracht – noch vor der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober.
Eine besondere Verbindung zur früheren Mühlhäuser Loge bestand durch Br. Kloeppel, den letzten noch lebenden Bruder der „Hermann zur deutschen Treue“. Er wurde zum ersten Ehrenmitglied der jungen Loge ernannt, konnte diese Ehrung jedoch nicht mehr persönlich entgegennehmen.
Bereits 1991 wurde der erste Mühlhäuser in die junge Loge aufgenommen; 1994 übernahm erstmals ein Mühlhäuser Bruder das Amt des Meisters vom Stuhl. Damit entwickelte sich wieder eine fest in der Stadt verwurzelte Bauhütte.
1999 erwarb DAS PRIORAT für Kultur und Soziales gemn. e.V. das historische Logenhaus und ließ es in den folgenden Jahren umfassend restaurieren. Seit dem 24. September 2000 nutzt die Loge wieder dauerhaft Räume in ihrer historischen Bauhütte. Die feierliche Lichteinbringung nahm Alt-Großmeister Klaus Horneffer im Beisein zahlreicher Freunde und Gäste vor.
2003 erhielt der Tempel durch eine großzügige Sachspende englischer Brüder sein bis heute prägendes Erscheinungsbild. Die Tempelausstattung der Thornton Lodge No. 5556 aus der Rye Masonic Hall verleiht ihm einen besonderen englischen Charakter.
Engagement und Verbindungen
Verantwortung für die Stadt
Das gesellschaftliche Verantwortungsbewusstsein der früheren Mühlhäuser Loge findet auch in der Gegenwart seinen Ausdruck.
Mitglieder unserer Loge unterstützten die Gründung und Entwicklung von DAS PRIORAT für Kultur und Soziales gemn. e.V. personell und ideell. Toleranz, Mitmenschlichkeit und Gerechtigkeit gehören zu den Grundgedanken, die diese Verbindung prägen.
So bleibt gesellschaftliche Verantwortung ein Teil unseres Verständnisses von Freimaurerei – damals wie heute.
Begegnung über Mühlhausen hinaus
Eine enge und langjährige Freundschaft verbindet unsere Loge mit Brüdern aus Hastings in England. Regelmäßige gegenseitige Besuche haben daraus über die Jahre eine Verbindung entstehen lassen, die weit über formelle Kontakte hinausgeht.
Auch beim Wiederaufbau freimaurerischen Lebens in Erfurt übernahm unsere Loge Verantwortung. Bei der Wiederbelebung der Loge „Alpha Ori“ unterstützte sie deren Deputationsloge und übernahm die Aufgabe der Mutterloge. 2009 wurde „Alpha Ori“ wieder als eigenständige Loge in Arbeit gesetzt. Die freundschaftliche Verbindung besteht bis heute.
Unsere Bauhütte war zudem Gastgeber für Stuhlmeistertage des Distrikts Hessen/Thüringen und weitere überregionale Zusammenkünfte. Dabei ist es nicht allein der Tempel: Auch Haus und Garten schaffen einen besonderen Rahmen für Begegnung und Gespräch.
Unsere Bauhütte heute
Unsere Bauhütte ist weit mehr als ein historischer Ort. Hier kommen die Brüder unserer Loge zu Tempelarbeiten, Gesprächen und gemeinsamen Veranstaltungen zusammen. Sie ist ein Ort der Begegnung, des brüderlichen Austauschs und der gemeinsamen Arbeit an den Idealen der Freimaurerei.
Tradition verstehen wir dabei nicht als etwas Abgeschlossenes. Was über Generationen gewachsen ist, gilt es zu bewahren, mit Leben zu erfüllen und an kommende Generationen weiterzugeben.
So verbindet unsere Bauhütte mehr als 200 Jahre freimaurerischer Geschichte in Mühlhausen mit einer lebendigen Gegenwart und dem Blick in die Zukunft.
Lernen Sie unsere Bauhütte kennen
Informationen zu unseren öffentlichen Veranstaltungen und Möglichkeiten der Kontaktaufnahme finden Sie auf den folgenden Seiten.